Camper wiegen!

In diesem Artikel möchte ich euch einen Überblick über die aktuell verfügbaren Kastenwagenmodelle geben, die ihr als Basisfahrzeug für den Camper Ausbau verwenden könnt. Kastenwägen von unterschiedlichen Herstellern unterscheiden sich nur in der Optik, sondern auch in der Karosserieform, den verfügbaren Maßen sowie den Antriebsvarianten.

Folgende Kastenwagen-Familien werde ich hier näher betrachten:

Fiat Ducato/Peugeot Boxer/Citroën Jumper (seit 2006) und Opel Movano (seit 2021, davor baugleich mit Renault Master)

Fiat Ducato/Peugeot Boxer/Citröen Jumper L2H2 Kastenwagen Fiat Ducato/Peugeot Boxer/Citröen Jumper L2H2 Kastenwagen

Mercedes Sprinter 907 (seit 2018)

Mercedes Sprinter L1H2 Kastenwagen Mercedes Sprinter L1H2 Kastenwagen

VW Crafter und MAN TGE (seit 2017)

Volkswagen Crafter/MAN TGE L3H3 Kastenwagen Volkswagen Crafter/MAN TGE L3H3 Kastenwagen

Ford Transit (seit 2014)

Ford Transit L4H3 Kastenwagen Ford Transit L4H3 Kastenwagen

Renault Master/Nissan NV400 (seit 2010)

Renault Master/Nissan NV 400 L2H2 Kastenwagen Renault Master/Nissan NV 400 L2H2 Kastenwagen

Iveco Daily (seit 2014)

Iveco Daily L3H2 Kastenwagen Iveco Daily L3H2 Kastenwagen

Die ältesten Vertreter in dieser Aufstellung sind der Fiat Ducato und der Renault Master. In der Zwischenzeit gab es für beide diverse Aktualisierungen zur Modellpflege, nicht zuletzt um die Motorentechnik im Hinblick auf die Abgasnormen auf den aktuellen Stand zu bringen. Trotzdem merkt man den beiden Fahrzeuglinien ihr Alter an – das Fahrerhaus ist etwas "rustikaler" und fühlt sich noch nach Nutzfahrzeug an.

Fahrzeuge, die in jüngerer Vergangenheit als neues Modell auf den Markt gekommen sind (wie z.B. Sprinter, Crafter oder Transit), fühlen sich schon mehr wie ein PKW an und sind entsprechend moderner ausgestattet.

Der Daily ist in vielerlei Hinsicht ein Ausreißer unter den Kastenwägen: er ist für den harten Nutzfahrzeugbetrieb gebaut, was sich auch in seinem hohen Leergewicht widerspiegelt. Im Vergleich zur Konkurrenz hat der Daily schnell mal 500kg mehr auf der Waage und ist somit für das 3,5t Segment nur eine bedingt geeignete Basis.

Kastenwagen-Maße

Grundsätzlich sind alle Kastenwägen in unterschiedlichen Maßen zu bekommen. Die Fahrzeuglänge wird üblicherweise mit Bezeicnungen wie L2 oder L3 beschrieben; jedoch variiert die Bedeutung dieser Abkürzungen zwischen den Herstellern so stark, dass deren Verwendung hier nur wenig hilfreich wäre. Stattdessen führe ich unten die realen Außenlägen an.

Bei der Fahrzeughöhe ist es etwas einfacher: die drei Höhen werden mit H1 bis H3 bezeichnet und bedeuten im Prinzip das folgende: H1 hat keine Stehhöhe, H2 hat Stehhöhe mit nicht allzu viel Luft, und H3 bietet extra viel Kopffreiheit und reicht auch für sehr große Menschen (wir werden die verschiedenen Höhen später noch genauer betrachten).

In der folgenden Grafik (draufklicken zum vergrößern!) sind alle verfügbaren Längen, Höhen und Antriebsvarianten der verschiedenen Kastenwagenmodelle im direkten Vergleich aufgeführt (VR = Vorderradantrieb, HR = Hinterradantrieb, 4 = Allradantrieb ab Werk):

Längen und Höhen aller Kastenwagenodelle im Vergleich Längen und Höhen aller Kastenwagenodelle im Vergleich

Das Verhältnis zwischen Außenlänge und nutzbarer Laderaumlänge ist nicht bei allen Modellen gleich. Der Ducato hat hier das beste Verhältnis, der Sprinter das schlechteste, und alle anderen liegen irgendwo dazwischen. Die Unterschiede betragen etwa plus/minus 15cm.

Bei der Hochdachvariante H3 gehen die Hersteller verschiedene Wege: beim Transit, Ducato und Daily ist die höchste Dachvariante eine eigenständige Karosserieform, und auch die Hecktüren sind dann entsprechend höher und erstrecken sich bis unter das hohe Dach. Beim Sprinter, Crafter und Master dagegen wird das H3 Dach durch eine "GfK-Haube" realisiert, die auf die H2 Karosserieform aufgesetzt wird. Die Höhe der Hecktüren ist also identisch zur H2 Variante, und das Dach fügt sich insgesamt nicht so harmonisch in die Fahrzeuglinie ein.

Breite und Karosserieform

Ein weiterer Unterschied zwischen den Kastenwägen, der wichtig für die Auswahl als Basisfahrzeug für einen Camperausbau sein kann, ist die innen zu Verfügung stehende Breite und die Verjüngung der Karosserie nach oben hin.

Die folgende Abbildung zeigt die Außenbreite sowie die an der breitesten Stelle verfügbare Innenbreite der verschiedenen Modelle:

Außen- und Innenbreiten aller Kastenwagenodelle im Vergleich Außen- und Innenbreiten aller Kastenwagenodelle im Vergleich

Hier kann man bereits sehen, warum die Ducato-Familie eine so beliebtes Basisfahrzeug ist: diese Fahrzeuge bieten die größte nutzbare Innenbreite, die für die meisten Menschen sogar für ein Querbett ausreicht. Zusätzlich verjüngt sich die Karosserie im Vergleich zu anderen Modellen erst recht spät und auch nur moderat nach oben hin, wie der folgende Überblick zeigt:

Karosserieform aller Kastenwagenodelle im Vergleich Karosserieform aller Kastenwagenodelle im Vergleich

Der Transit verjüngt sich ebenfalls relativ wenig, allerdings steht deutlich weniger nutzbare Breite im Innenraum als beim Ducato zur Verfügung, und auch für ein Querbett wird es ohne Heckverbreiterungen für viele eng werden.

Die starke Karosserieverjüngung z.B. beim Daily oder Sprinter führt dazu, dass sich der Raum nach oben hin etwas beengter anfühlt, gerade wenn auch noch Oberschränke verbaut werden sollen (oder der Platz in den Oberschränken fällt entsprechend kleiner aus).

Stehhöhe im Kastenwagen

Auch bei der Höhe des Laderaums unterscheiden sich die Kastenwägen deutlich. Grundsätzlich gilt: ein Fahrzeug mit Vorderradantrieb hat bei gleicher Außenhöhe ca. 10cm mehr nutzbare Innenhöhe als ein Fahrzeug mit Hinterradantrieb. Die angetriebene Hinterachse braucht Platz, und so rutscht der Boden des Laderaums etwas nach oben. Aber auch darüber hinaus gibt es Unterschiede zwischen den Modellen, die gerade beim H2 dach die entscheidenden Centimeter für eine entspannte Stehhöhe ausmachen können.

Laderaumhöhe aller Kastenwagenodelle im Vergleich Laderaumhöhe aller Kastenwagenodelle im Vergleich

Bei der Höhe ist zu beachten, dass beim Ausbau zum Camper an beiden Enden noch etwas verloren geht: der Boden kommt durch Dämmung und Bodenbelag etwas höher, und die Decke durch die Deckenverkleidung etwas niedriger. Zusätzlich unterscheidet sich auch die Dachform zwischen den Modellen (wie oben im Überblick zu den Karosserieformen zu sehen ist), sodass z.B. beim Ducato das Dach zu den Seiten hin deutlich weniger abfällt als beim Transit.

Zu den Angaben der Fahrzeughöhe sind noch ein paar modellspezifische Eigenheiten zu beachten:

  • Beim VW Crafter steht die in der Tabelle aufgeführte Deckenhöhe nur in der vorderen Hälfte des Laderaums zur Verfügung. Das Dach fällt nach hinten hin um ein paar Centimeter ab. 
  • Beim Ford Transit beginnt das Dach im vorderen Bereich, ca. 50cm hinter dem Fahrerhaus, bereits an zur Frontscheibe hin abzufallen.
  • Die Schiebetür ist bei der mittelhohen und der ganz Hohen Dachvariante immer identisch. Im Gegensatz zu den Hecktüren bekommt man hier bei keinem Hersteller eine größere Öffnungshöhe.

Nachteile großer Fahrzeuge

Größeres Fahrzeug, mehr Möglichkeiten, weniger Kompromisse? So einfach ist die Rechnung leider nicht, denn es gibt noch andere Aspekte, die man neben dem Platz im Innenraum bei der Wahl der Fahrzeuggröße bedenken sollte.

Gewichtsprobleme

Je größer das Fahrzeug, desto schwerer wird es in der Regel werden, wenn es fertig ausgebaut dasteht. Das hat zwei Gründe: erstens wird natürlich das Basisfahrzeug schwerer, je länger es ist: mehr Länge, mehr Stahl, mehr Gewicht – und weniger verbleibende Zuladung. Bei 1,50m mehr Fahrzeuglänge können schnell mal 200kg mehr auf der Waage stehen (das Antriebskonzept spielt hier übrigens auch noch eine “gewichtige” Rolle, aber dazu später mehr).

Der zweite Grund für Gewichtsprobleme längerer Fahrzeuge ist, dass sie oft für mehr Personen ausgelegt sind und auch mehr Material und Technik im Innenraum verbaut wird. Das bringt schnell weitere dreistellige Kilos auf die Waage.

Erfahrungsgemäß kann man es in der 7m Klasse gerade noch schaffen, mit der Familie im Gepäck unter 3,5t zu landen – aber nur, wenn man das Gewicht bei der Planung und dem Ausbau sehr genau im Blick hat. Selbst ein 6m Fahrzeug für zwei Personen kann schnell die 3,5t Grenze reißen, wenn man das Gewicht bei der Entstehung nicht im Auge behält.

Enge Straßen und unwegsames Gelände

In Bezug auf die Fahrzeuglänge sollte man sich noch ein paar weitere Fragen stellen: wie groß darf das Fahrzeug sein, damit man es noch gerne und entspannt fährt? Wohin soll es mit dem Auto gehen? Bewegt man sich eher auf großen Straßen und Campingplätzen, oder sucht man die kleinen, abgelegenen Bergsträßchen? Will man mit dem Fahrzeug auch mal Plätze durch etwas unwegsames Gelände anfahren?

Je länger das Fahrzeug, desto länger der Radstand und desto größer der Wendekreis. Man kommt nicht mehr so gut um enge Kurven, und die Fahrt durch die engen Gässchen in kleinen Dörfern wird anstrengender. Bei einer Fahrzeuglänge von 5,5m bis 6m fängt es schon an, dass man auf sehr kleinen Serpentinenstraßen ab und zu in den Kurven reversieren muss. Bei 7m Länge wird einem das noch öfter passieren.

Ein anderer Aspekt, den es bei längeren Fahrzeugen zu bedenken gibt, ist die verringerte Bodenfreiheit und die potentiell ungünstigere Lastverteilung. Je länger der Radstand desto geringer der Böschungswinkel. Das heißt, man hat weniger “Bauchfreiheit” und setzt schneller auf, wenn man über Wellen und Buckel in der Wiese zum schönen Stellplatz fährt. 

Auch der hintere Überhang, also der Abstand von der Hinterachse bis zum Ende des Fahrzeugs, ist bei einigen Fahrzeugen der 7m und besonders der 7,5m Klasse deutlich länger. Mit einem langem Überhang setzt man nicht nur abseits der Straße schneller auf, sondern beeinflusst auch die Gewichtsverteilung zum Schlechteren, besonders bei Vorderradantrieb. Jede Zuladung hinter der Hinterachse entlastet die angetriebene Vorderachse und verschlechtert so die Traktion.

Genau wie bei der Fahrzeuglänge, haben natürlich auch höhere Fahrzeuge nicht nur Vorteile. Wenn man auch mal abseits der Straße unterwegs ist, können einem tief gewachsene Äste, oder allgemein zugewachsene Wege schneller ausbremsen als mit einem niedrigeren Fahrzeug. Vielleicht trifft man auch mal eine Brücke, wo man mit 20cm weniger Höhe gerade noch so durchgekommen wäre – obwohl mir das persönlich noch nie passiert ist.

Kraftstoffverbrauch

Ein wichtigerer Unterschied zwischen den Dachvarianten ist die Stirnfläche des Fahrzeugs und der damit einhergehende Luftwiderstand. Gerade wenn man auf der Autobahn unterwegs ist, macht sich das hohe Dach am Spritverbrauch bemerkbar. Auch die Anfälligkeit für Seitenwind erhöht sich spürbar. Dies gilt nicht nur für die Grundhöhe des Fahrzeugs, sondern auch für eventuelle Aufbauten auf dem Dach – auch die machen sich schnell im Verbrauch bemerkbar.

Antriebsvarianten

Die Wahl der Antriebsvariante – Vorderradantrieb, Hinterradantrieb oder Allradantrieb – hat wichtige Auswirkungen, die bei der Auswahl des Basisfahrzeugs und bei der Planung des Ausbaus mit berücksichtigt werden sollten.

  • Kastenwägen mit Vorderradantrieb bieten wegen der fehlenden angetriebenen Hinterachse die größte Höhe im Innenraum. Das gleiche Modell mit Hinterrad- oder Allradantrieb hat in der Regel ca. 10cm weniger nutzbare Höhe.
  • Modelle mit Hinterradantrieb bringen ein deutlich höheres Leergewicht auf die Waage als das entsprechende Modell mit Vorderradantrieb. Je nach Fahrzeugmodell kann dieser Unterschied zwischen 50 und 150kg betragen. Die Allradvariante schlägt dann nochmals mit zusätzlichen 100-250kg auf die Waage, je nach Hersteller.

Für mehr Informationen zum Allradantrieb im Kastenwagen schaut euch mal diesen Artikel an: Überblick Allrad-Kastenwägen für den 4x4 Camper Ausbau.