Camper wiegen!

Der Sprinter von Mercedes ist unter den Kastenwägen ein beliebtes Modell für den Camperausbau, besonders auch in der 4x4 Variante. Welche Eigenheiten, Vorteile und Nachteile der Mercedes Sprinter für den Ausbau zum Camper mitbringt, zeige ich euch in diesem Artikel.

Verfügbare Längen, Höhen und Antriebsvarianten beim Mercedes Sprinter

Das folgende Diagramm zeigt alle verfügbaren Längen und Höhen sowie die Antriebsvariante (draufklicken zum vergrößern!):

Alle verfügbaren Längen, Höhen und Antriebsvarianten beim Mercedes Sprinter Kastenwagen Alle verfügbaren Längen, Höhen und Antriebsvarianten beim Mercedes Sprinter Kastenwagen
Überblick aller erhältlichen Längen, Höhen und Antriebsvarianten des Mercedes Sprinter (VR = Vorderradantrieb, HR = Hinterradantrieb, 4 = Allradantrieb)

Die beliebtesten Varianten als Basis für einen Camperausbau sind die knapp 6 und 7m langen Fahrzeuge – Mercedes nennt diese Längen L2 und L3.

Mercedes Sprinter L2H2 als beliebte Basis zum Camper Ausbau Mercedes Sprinter L2H2 als beliebte Basis zum Camper Ausbau
Mercedes Sprinter L2H2 mit knapp 6m Fahrzeuglänge
Mercedes Sprinter L3H2 als beliebte Basis zum Camper Ausbau Mercedes Sprinter L3H2 als beliebte Basis zum Camper Ausbau
Mercedes Sprinter L3h2 mit fast 7m Fahrzeuglänge

Da der Sprinter im Vergleich zu anderen Kastenwägen wie dem Fiat Ducato oder dem Ford Transit ein relativ schlechtes Verhältnis aus Innen- und Außenlänge bietet, bleibt bei der 5,27m langen L1-Variante innen nur noch gut 2,60m übrig – kaum mehr als bei einem 5m langen Fiat Ducato.

Eine weitere Eigenheit des Sprinters ist, dass die Modelle mit H3 Höhe durch ein aufgesetztes GfK Dach realisiert werden. Das heißt, dass man z.B. keinen Dachträger mehr montieren kann und auch die Hecktüren keine so große Öffnung bieten, wie die Dachhöhe es theoretisch zulassen würde.

Mercedes realisiert das H3 Dach als GfK Aufsatz Mercedes realisiert das H3 Dach als GfK Aufsatz
GfK Aufsatz für das H3 Dach von hinten – die Hecktüren sind mit einem H2 Sprinter identisch und reichen öffnen so nicht bis ganz oben

Vorteile des Mercedes Sprinter für den Camperausbau

Der Sprinter spielt seine Vorteile in Bezug auf den Ausbau zum Camper besonders auf der fahrzeugtechnischen Seite aus: Fahrkomfort, das Angebot an Anbauteilen, und die verfügbaren 4x4 Optionen.

Komfort im Sprinter

Der Mercedes Sprinter ist unter den Kastenwägen einer der moderneren Vertreter, was sich besonders im Fahrerhaus bemerkbar macht. Das Armaturenbrett ähnelt schon mehr dem, was man aus PKWs gewohnt ist, und auch beim Fahren fühlt sich der Sprinter nicht mehr wie ein klassisches Nutzfahrzeug an – ein Aspekt, der für den Camperausbau nicht zu vernachlässigen ist, da wir ja oft längere Strecken mit dem Reisemobil zurücklegen und nicht völlig gerädert ankommen wollen.

Stehhöhe im H2 Sprinter

Der Sprinter bietet als heck- oder allradgetriebenes Fahrzeug und H2 Dach ausreichend Innenhöhe, damit es für die meisten Menschen bequem zum Stehen reicht. mit seinen ca. 1,92m Innenhöhe bleibt auch nach dem Einabu von Boden und Decke noch genug Höhe zum Stehen ürbig. Kaum ein anderer Kastenwagen kann da mithalten: bei Heck- oder Allradantrieb muss man meist auf das H3 Dach wechseln, um noch genügend Kopffreiheit zu realisieren.

Drittausrüsterangebot für den Mercedes Sprinter

Die Beliebtheit des Sprinters, nicht nur als Basisfahrzeug für den Camperausbau, sondern als Kastenwagen generell, hat dazu geführt, dass auf dem Markt eine Vielzahl an An- und Umbauteilen von Drittherstellern verfügbar sind. Egal ob Dachträger, Heck- oder Seitenleiter, bessere Stoßdämpfer, Stoßstangen, Bergeösen, Zusatzscheinwerfer, Heckträger, Radkastenverbreiterungen... fast alles ist zu finden.

Mercedes Sprinter als Allrad/4x4 Camper

Will man einen ernsthaften 4x4 Camper auf einem Kastenwagen aufbauen, kommt man um den Mercedes Sprinter als Basisfahrzeug fast nicht herum. Der Iveco Daily 4x4 wäre hier als Alternative noch zu nennen, aber mehr zu den sonstigen 4x4-Varianten findet ihr im Artikel Allrad-Kastenwägen für den 4x4 Camper Ausbau.

Mercedes Sprinter L2H2 4x4 als Camper Ausbau von Hymer Mercedes Sprinter L2H2 4x4 als Camper Ausbau von Hymer
Allradvariante des Mercedes Sprinter, hier als Ausbau von Hymer auf der L2H2 Variante (mit zusätzlichem Aufstelldach)

Der Mercedes Sprinter ist ab Werk mit einem ordentlichen Allradantrieb inklusive Höherlegung zu bekommen, der für viele ausreichen wird und darüber hinausgeht, was z.B. bei Ford oder Fiat zu holen ist. Wenn das nicht reicht, gibt es auch Drittausrüster wie Iglhaut und Achleitner, die dem Sprinter mit allem auf die Sprünge helfen, was das Allradherz begehrt – nur der Geldbeutel ist hier die Grenze.

Nachteile des Mercedes Sprinter für den Camperausbau

Für den Camperausbau liegen die Nachteile des Sprinters klar im Innenraum: das Fahrzeug ist vergleichsweise schmal, verjüngt sich nach oben hin stark und hat ein schlechteres Verhältnis aus Außen- zu Laderaumlänge als andere Kastenwägen.

Karosserieform für den Einsatz als Camper

Im Vergleich zu der Fiat Ducato Kastenwagen-Familie hat der Sprinter einen etwas schmäleren Laderaum (auch wenn es nur ein paar Centimeter sind), und verjüngt sich nach oben hin recht früh und stark. Das führt dazu, dass ein Querbett im Heck für etwas größere Menschen ohne Umbauten nicht realisierbar ist. Durch die sich verjüngende Karosserieform geht auch im oberen Bereich Platz für Stauraum verloren, oder die Oberschränke beeinträchtigen bei gleichem Stauraum das Raumangebot deutlich mehr. Auf der anderen Seite kann die etwas schmalere Fahrzeugbreite natürlich auch ein Vorteil sein, wenn man sich durch kleine Sträßchen oder Dörfer schlängelt.

Um im Mercedes Sprinter trotzdem ein Querbett zu realisieren, gibt es speziell für den Ausbau als Camper Heckverbreiterungen, oft auch "Longsleeper" genannt. Diese verbreitern den Innenraum im Bereich der hinteren Fensterausschnitte (also dort, wo beim verglasten Sprinter hinten das Seitenfenster wäre), und schaffen so die entscheidenden Centimeter mehr Platz.

Laderaumlänge vs. Außenlänge

Auch die Laderaumlänge fällt beim Mercedes Sprinter etwas geringer aus als bei der Kastenwagen-Konkurrenz (bei gleicher Außenlänge der Fahrzeuge). Je nach Vergleichsmodell und Messmethode beläuft sich der Unterschied auf ca. 20-30 Centimeter. Genaueres hierzu findet ihr auch in meinem ausführlichen Artikel zur Kastenwagenauswahl für den Camper Ausbau.

Kosten

Der Sprinter ist halt ein Mercedes! Sowohl die Anschaffungskosten, als auch die Mercedes Werkstätten oder Mercedes Ersatzteile belasten den Geldbeutel oft etwas mehr als ein Kastenwagen der Konkurrenz. Dafür bekommt man halt auch die Vorteile, die oben ja schon genannt wurden.

Fazit zum Mercedes Sprinter für den Camper Ausbau

Der Sprinter spielt seine Vorteile mehr beim Fahren, und weniger als Wohnraum aus – abgesehen von der schönen Innnenhöhe beim H2 Dach und Heck- oder Allradantrieb.

Wenn es um den Aufbau eines echten 4x4 Campers geht, kommt man am Sprinter als ernsthafte Option kaum vorbei. Auch wenn einem der Komfort im Fahrerhaus sehr wichtig und den Aufpreis wert ist, lohnt es sich, den Sprinter in die engere Wahl zu ziehen. Dagegen müssen die Nachteile bei den Laderaummaßen im Hinblick auf das geplante Ausbaukonzept abgewogen werden.

Wollt ihr einen Camper auf Mercedes Sprinter Basis ausbauen lassen, oder braucht Hilfe bei bestimmten Teilarbeiten? Dann meldet euch bei mir, ich berate euch gerne.